Musik und I Ging

Über die Beziehung von Musik und I Ging
Interview mit René van Osten von Alex Beckmann, November 2010

AB: Welchen Zusammenhang gibt es zwischen Deiner musikalischen Betätigung und dem I Ging (Yijing)?

Die inneren Strukturen der Trigramme und Hexagramme des I Ging sind eigentlich identisch mit der Idee der Notation von Musik, durch die Symbole der Noten. Ein Strichcode der durch Wandlung oder im Falle der Musik, durch Platzierung an unterschiedlicher Stelle der Notenlinien, eine Bewegung auslöst, d. h., jeweils andere Bilder oder Töne hervorbringt.

Auch das I Ging ist eine „Symphonie“ der Möglichkeiten in Dur und Moll, ein rhythmischer Bewegungsablauf, durch den das Leben gezeichnet ist.  Die tonale Umsetzung der Trigramme und damit auch der Hexagramme, habe ich mit der Entwicklung des I Ging Monochord und dessen Bau durch die Firma Anklang in Waldkirch realisiert. Die Umsetzung seiner Yin-Yang-Struktur in rhythmische Spielfiguren, beschäftigt mich schon lange und gehört zum Repertoire meiner musikalischen Betätigung. Ich baue beides auch in meine I Ging-Seminare ein, wodurch die im I Ging gezeigten „Lebensbilder in Wandlung“, hörbar und unmittelbar spürbar werden.

AB: Wie bist Du darauf gekommen das I Ging Monochord zu bauen?

Nun, gebaut hat es, wie bereits erwähnt, die Firma Anklang. An der Überlegung welche Töne den Trigrammen zugeordnet werden könnten und auf welche Weise es dann als Klangerlebnis auf der Ebene der sechsstufigen Hexagramme umsetzbar ist, haben der Musiker und Harmoniker Martin Seliger und ich gemeinsam gearbeitet. Das Monochord ist ja ein altes, pythagoreisches Saiteninstrument, auf dessen Tabulatur sich durch Stege, proportionale Beziehungsverhältnisse von Längeneinheiten einstellen lassen, die dann zum Klingen kommen.

Die acht Trigramme wurden also mit bestimmten Intervallproportionen der Naturtonreihe  gekoppelt und mit dem Maß der Tabulatur des Monochords abgeglichen, wodurch man  die festen  Plätze der Stege erhält, mittels derer die Trigramme und in Folge die Hexagramme in Töne umgesetzt werden können. Das Instrument ist auf beiden Seiten mit jeweils 42 Saiten bespannt, wobei die eine Seite eine Grundstimmung von 128 Hz und die andere eine von 256 Hz erhielt. Es ist nicht nur ein hervorragendes Medium für musiktherapeutische Zwecke entstanden, sondern auch ein Instrument, das inzwischen seinen Live-Einsatz in einem Musikprojekt findet, das ich zusammen mit Martin Seliger ins Leben gerufen habe.

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AB: Was ist dies für ein Projekt und was hat es mit dem I Ging zu tun?

Ganz konkret geht es dabei um das Musizieren auf Basis der Naturtöne und der Grundstimmung innerhalb der 8 Hz-Reihe. Das Projekt an dem wir zurzeit arbeiten, ist eine Umsetzung der acht Trigramme des I Ging, in ein bewegtes Klangerlebnis. Himmel und Erde, Wind und Donner, See und Berg in ihrer rhythmisch- tonalen Natur zum Klingen und Swingen bringen. Alle archetypischen Bewegungsmuster von Leben kommen dabei zum Ausdruck.  Die Instrumente, die zum Einsatz kommen, sind durchaus moderner Art, wie z. B. das V-Piano von Roland das sich  in seiner Stimmung in Centschritten verändern und dabei eben auf unsere Anforderungen in Bezug auf die Naturtonreihe tunen lässt. Natürlich verschiedene Trommeln, ein E-Drum-Set von Roland, Fretless-Bass, die Overtone-Tube, Fretless-Gitarre, andere Saiteninstrumente und Stimme.  Die Musik, die dabei entsteht, umspannt einen großen Bogen der Ausdrucksmöglichkeiten und ist nicht bloß meditativer Art, sondern  groovt und swingt ganz beeindruckend.

AB: Hat dieses Projekt schon einen Namen?

Wir haben uns zunächst einmal für einen Arbeitstitel entschieden, der sich „Circel Eight“ nennt. Circel in Bezug auf das Kreisrunde des Projektes, angefangen bei der Grundstimmung bis  zum Bezug auf die Naturtonreihe und natürlich den Kreisordnungen des I Ging, in denen durch die acht Trigramme, das natürliche Ordnungsprinzip und die Bewegung von Kraft definiert ist.

AB: Was sind Eure musikalischen Ziele in den nächsten Jahren?

Wir werden im Laufe des Jahres 2011 eine erste CD veröffentlichen und natürlich arbeiten wir kontinuierlich an musikalischen Ausdrucksmöglichkeiten verschiedenster Art, aber immer in Bezug auf die nicht-temperierte Tonreihe. Dabei ist uns eben auch die Wirkung dieses Klangbildes sehr wichtig, die sie auf den Zuhörer ausübt. Um diese so optimal wie möglich in den Raum zu bringen,  ist auch eine entsprechende Übertragungsanlage wichtig, die dies im Dolby Surround-Effekt ermöglicht.

Selbstverständlich planen wir Konzerte an geeigneten Plätzen, denn dieses Hörerlebnis wird vor allem Live sehr deutlich. Musik als harmonisierendes Erlebnis auf allen Ebenen. Es muss noch einiges zusammengebracht werden, denn was auf der regulären Stimmungsebene der temperierten Spielweise zusammenklingt, muss auf der nicht-temperierten der Naturtonstimmung noch experimentell bestimmt werden.

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AB: Kann die Musik Deiner Meinung nach gesellschaftliche Veränderungen herbeiführen?

Sie ist auf jeden Fall Ausdruck der Zeitbewegung und da sie das Muster der Bewegungen von Leben in Klang zum Ausdruck bringen kann, ist sie natürlich unmittelbare Ansprache  an das innere Erleben des Menschen, also an sein Herz, seine Gefühle, Emotionen und Gedanken. Genau diese bestimmen ja Gesellschaft und die Formen des Miteinander in Handlung und Tat und insofern hat die Musik natürlich unmittelbaren Einfluss.

Die Gefühls- und Gedankenwelt des Menschen ist vergleichbar mit der temperierten Stimmung in der Musik. Sie ist subjektiv, also angepasst an ein gesellschaftlich definiertes Miteinander, durch das man miteinander verkehrt, durch das ein persönliches Moment zum Ausdruck kommt. Das nicht-temperierte Klangbild dagegen, greift auf der nicht-angepassten Ebene, verstärkt also nicht persönliche Stimmungen, sondern führt zurück zur „Naturstimmung“, dem individuellen Eigenmuster und wirkt insofern befreiend.

Gesellschaftliche Veränderung heißt für mich Änderung der eigenen Haltung, heißt Rückkehr und Einkehr zum natürlichen Kern der eigenen Person. Einfaches So-Sein und nicht künstliche  Haltung. Eine Musik, welche die natürlichen Intervallproportionen, also natürliche Beziehungsmuster zur Grundlage hat, verändert, indem sie den Blickwinkel des einzelnen Menschen ändert, auch die Gesellschaft,  wie dies auch durch Erkenntnis auf höherer Ebene geschieht.

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AB: Du hast ja im Jahr 2003  die ZhanDao Akademie ins Leben gerufen. Was hat Dich dazu bewogen?

Ich wollte ganz einfach wertvollen Denk- und Erfahrungsmodellen wie es z. B. das I Ging ist, eine Plattform geben. Es wird dort gelehrt aber auch geforscht, besonders an  den inneren Strukturen des I Ging und deren Anbindung an  die TCM und die Musik.  Das alte Schulhaus aus dem Jahre 1827 und die wunderbare Naturlage, sind dafür sehr geeignet. Inzwischen ist das Haus im Besitz von zwei Freunden, die es komplett renoviert haben und es ganz im anfänglich gedachten Geiste auch betreiben. Es steht auch anderen Menschen zur Verfügung, die fundierte und interessante Projekte anbieten können.

AB: Trotzdem bist Du im Jahr 2009 nach Bad Homburg, vor den Toren von Frankfurt, umgezogen

Meine Frau und ich  haben dort bereits zuvor 15 Jahre lang gelebt und es ist eigentlich der Platz an dem wir beide uns am wohlsten fühlen.  Zudem liegt es doch sehr günstig in der Mitte Deutschlands, ist also von überall her gut zu erreichen und ist zudem von hohem Lebenswert und energetisch sehr stimmig.

Ich habe dort bereits 1996 die „Schule des I Ging“ gegründet, die jetzt neue und sehr schöne Seminarräume bekommen hat, wobei einige der Kurse immer auch in der Akademie im Schwarzwald abgehalten werden. Alle Kurse und Seminare, die in Bad Homburg und auch in der Akademie stattfinden, sind auf unseren Webseiten angegeben.