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Sommerseminar 2015

Sommerseminar 2015

Das Leben fließen lassen

Fragen und Antworten zum Thema im Geiste des Yijing

Schon die Aussage des Satzes „Das Leben fließen lassen“ zeigt einen darin verborgenen Widersinn. Wer ist es, der das Leben fließen lässt? Das Leben IST Fließen und da niemand das Leben als sein Privateigentum besitzt, sondern genau umgekehrt, das Leben alles bestimmt, wie sollte er da etwas handhaben, das er Fließenlassen nennt?

Man lese das Wort „Leben“ einfach rückwärts – dann steht man im „Nebel“ oder wie es das Yijing im Hexagramm 64 – Nach der Vollendung nennt: in Trugschlüssen gebunden, behelfsmäßige Brücken bauend und sich durchwurstelnd. Das Leben ist ein geheimnisvoller Fluss, der einer unbekannten Quelle entspringt und sich zu einem unbekannten Meer hin bewegt. Auf ebener Bahn – denn auch dieser Begriff baut das Wort Leben, fließt es dahin und doch sind da Stolpersteine, Fallgruben, Abgründe, Hemmnisse, Schluchten und Schwierigkeiten, also Probleme, die sich dem einfachen Fließen in den Weg stellen oder zu stellen versuchen. Kommt es also doch irgendwo her, dieses Fließmuster in Zeit, das sich eines Fahrzeugs bemächtigt und dieses ermächtigt zu handeln, zu sprechen und zu tun?

Die Frage lautet: In wessen Namen, mit welcher Absicht, mit welchem Sinn? Sein Ursprungsname entspringt dem ursächlichen Sprung, der Trennung des Einen in das Viele, der Energie in manifestiertem Ausdruck der Energie. Wir nennen es den Körper-Verstand-Mechanismus. Denn ist da eine programmatische Bestimmung, ist da auch eine Stimmung, ein Jemand, der sich so und anders fühlt, der etwas so und anders sieht. Bewusstsein ist der Name und dieses wird sich, nachdem es im Gefängnis eines definierten Mechanismus wohnt, seiner selbst als etwas gewahr und haftet an Namen und Eigen-Sinn.

Der Verstand übernimmt die Interpretation der Lebens-Bewegung – und projiziert das Ich-Gefühl, projiziert subjektive Eigenständigkeit. Etwas Sekundäres interpretiert etwas Primäres, eine Quelle, aus der Leben als Bewegung in Zeit entspringt. Vielleicht ist unter Fließenlassen so etwas zu verstehen wie das Nichtinterpretieren aufscheinender Bilder im Bewusstsein, die nichts als die Folge bewegter Energie durch die Form sind. Wer oder was aber löst diese Bewegung aus?

Information der Form. Innen oder Außen oder Innen und Außen. Von oben von unten, im Herzen wohnend oder auf der göttlichen Festplatte individueller Bestimmung gespeichert, genannt die Seele. Wo ist ihr Sitz? Aus der Essenz der Elternschaft kommend, sich im Organsystem des Menschen verankernd, das Herz bestimmend, alles bestimmend. Es ist und ist doch nicht. Empfinden, Fühlen und Denken. Wir sind, was wir sind und werden, die wir sind. Das Wasser fließt, weil es seine Natur ist zu fließen. Das Leben fließt, weil es dem Wasser gleicht. Vom Himmel kommend verbindet es sich mit der Erde, befruchtet sie, belebt sie, durchströmt sie und verweilt nicht. Das Flussbett, in dem es fließt, gleicht einer Zeitflussbahn an deren Ufer sich wechselnde Lebensbilder spiegeln. Wasser ist Leben. Leben kommt aus dem Wasser und wird durch das Wasser beschrieben. Programm, Bewegung, Bilder, Wahrnehmung, Gefühl, Gedanke und ICH sind eins. Erkenntnis der Zusammenhänge ist Befreiung von Gebundenheit an Vorstellung und Reduzierung durch Muster. Keine Sekunde ohne fließende Kraft – Jahrzehnte an Kampf für Selbstbestimmung, Eigenwertbestimmung und Existenz. Gibt es eine Wahl für oder wider der Qual? Bewerte nicht das eine mehr oder weniger als das andere – die Worte hör ich wohl, allein man kann es nicht tun, es stellt sich ein – was stellt sich ein?

„Für die Seelen ist es Tod zu Wasser zu werden, für das Wasser Tod zur Erde zu werden. Aus der Erde wird Wasser, aus Wasser Seele.“ Heraklit

Auszug aus der Einleitung zum Seminar. Copyright © 2015 by René van Osten

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