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YI JING

Lebensbilder in Wandlung

R. van Osten © 2015 by Dagmar Blesz

René van Osten

Buchempfehlungen

René van Osten

“Ein Instrument zu haben, dessen großes Wissen auf dem Fundament aller Bedingungen ruht, dessen Wahrheiten konsequent und tragfähig sind, gleichgültig ob für Ost oder West, das sich des Einzelnen in seinen Belangen annimmt und Lösungen bietet, die das Herz ebenso wie den Verstand und den praktischen Sinn berühren, ist Begeisterung pur” (René van Osten)

Der studierte Musiker und Musikpädagoge war viele Jahre als Profi auf den internationalen Bühnen der Welt zu Hause, bevor er 1986 seine „geistige Überlebensbasis Yi Jing“ in Buch- und Skriptform zu verfassen begann. Seit dieser Zeit ist er in bewegtem Einsatz, was dann 1993 zur Idee der „Muster des Lebens in den Wandlungen des Yi Jing“ führte.

Seit mehr als 40 Jahren widmet sich René van Osten dem Studium der Texte, der Trigramm- und Hexagrammstrukturen und der Wandlungen im Yi Jing, dem Studium des Tao te king, der daoistischen Meditationspraktiken und der Verbindung von Yi Jing und Traditioneller Chinesischer Medizin.

René van Osten ist Autor mehrerer Bücher sowie unzähliger Lehrskripte. Neben der fachlichen Leitung seiner im Jahre 2002 gegründeten „ZhanDao Akademie des Yi Jing“ ist er engagierter Kursleiter der von ihm entwickelten Ausbildungsreihen und Seminare in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Meine Intention

Mein ganzes Streben gilt der verständlichen und auf die Alltagsthematik des Menschseins ausgelegten Vermittlung der tiefen Weisheit des Yi Jing.

Ich verstehe alle meine Kurse deshalb als kreative Anregung zur Selbstbestimmung und gleichzeitigen Schlüssel zur Erkenntnis übergeordneter Lebenszusammenhänge. Selbstbestimmt zu leben heißt, frei zu leben. Dazu ist das Yi Jing mit seinen umfassenden Themenbildern in Wandlung hervorragend geeignet.

Ich danke meinem Lehrer I Lung und Christine für ihre jahrelange Hilfe und organisatorische Aufbauleistung, ohne die alles nicht da wäre, wo es heute ist.

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Was ist das Yi Jing für mich?

  • Ein sanftes aber umfassend zuverlässiges Halteseil durch das Leben.
  • Ein polares, ausgeglichenes Ordnungsprinzip, das den Menschen zurückbringt zu sich selbst. Ihn sein lässt, was er ist und den Blickwinkel befreit von Bewertung und Urteil.
  • Ein Spiegel der „Großen Ordnung“, der spiegelt, was nicht in Ordnung ist und es damit in Ordnung bringt.
  • Ein Tiegel der Weisheit, der begeistert und erfreut.

Der Beginn meiner Geschichte mit dem Yijing

Es war an einem warmen Sommertag des Jahres 1979, als in mein bis dahin schon aufregendes Leben einer jener Wendepunkte eintrat, der von heute auf morgen nichts mehr beim Alten lässt. Ein kurzer initiatischer Augenblick, den ich schlicht und einfach als den Anfang eines bis heute nicht enden wollenden Erfahrungs- und Bewusstseinsprozesses bezeichnen möchte.

An jenem Morgen also, an dem es an meiner Türe klopfte und ein kleiner, in seiner Statur an das Bild des Buddha erinnernder Mann vor mir stand und mit einem unvergesslichen Lächeln sagte: „Mein Name ist I Lung. Einige wichtige Ratgeber haben mir ans Herz gelegt, Dich hier oben zu besuchen. Darf ich hereinkommen?“ Völlig verdutzt und trotzdem tief beeindruckt sagte ich: „Aber bitte, mit was kann ich Ihnen dienen?“

Er kam, nachdem er sich kurz umgesehen hatte, sehr schnell zur Sache, indem er mir zu verstehen gab, daß meine Lebensweise nicht sehr förderlich für mein zukünftiges Wohlbefinden sei. Wie ich das zu verstehen habe, fragte ich ihn. „Einen Moment bitte.“ sagte er und griff in seine an Mao Tsetung erinnernde blaue Jacke, um mir mit einer eleganten Handbewegung ein sehr schön gestaltetes Schriftstück entgegenzuhalten. Es war eine von ihm entwickelte Tabelle mit der Aufschrift „Beharrlichkeit bringt Heil, Reue schwindet“ und „Die Ernährung nach den Fünf Elementen“.

Was danach folgte, war eine kurze, aber beeindruckende Erläuterung, die über die Akupunktur sich ausdehnend, bei jenem großen Buch endete, mit dem ich bereits zuvor durch Herrmann Hesse in Kontakt gekommen war, dem „Buch der Wandlungen oder I Ging“. Dies war der Beginn einer Freundschaft mit einem großen Menschen und Meister und der bis heute andauernden Auseinandersetzung mit dem vielleicht ältesten Weisheitsbuch unseres Planeten.

Einem Buch, das aufgeschrieben wurde von heiligen Weisen, Königen und Kaisern der alten chinesischen Zeit und inspiriert wurde durch ein Vorbild, das ohne Zweifel als der größte und gleichzeitig unfehlbarste Lehrmeister menschlicher Bewusstwerdung bezeichnet werden kann: der „göttlichen Natur“ selbst. Es ist der in 64 Bildern aufnotierte und durch Strichsymbole verschlüsselte „Plan allen Lebens“, eine Erklärung der Vielfalt aller Erscheinungen und ihres geistigen Hintergrundes. Ein Wegweiser, der bis in unser Jahrhundert hinein so große Geister wie Gottfried Wilhelm Freiherr von Leibnitz, den Psychologen C.G. Jung und den unvergesslichen Hermann Hesse nicht nur begeistert, sondern auch zu neuen und großartigen Gedanken inspiriert hat.

Um sich einen so „weisen und zuverlässigen Berater“ wie das Yijing zum Freunde zu machen, bedarf es zwar der harten, aber gleichsam unendlich Freude bringenden Arbeit, deren Lohn ein Leben ist, dass uns wiedervereint mit dem ursprünglichen Sinn.

In diesem Sinne wünsche ich allen, die sich der Weisheit des Yijing nähern, tiefe und Freude bringende Erfahrungen. Auch wenn es manchmal als sehr streng erscheint: Es ist ein Spiegel der „Großen Ordnung“. Es spiegelt, was nicht in Ordnung ist und bringt es damit in Ordnung.

René van Osten

Geschichtliches zum Yijing

In der chinesischen Literatur werden vier Heilige als Verfasser des Buchs der Wandlungen angegeben: Fu Hi, König Wen, der Herzog von Dschou und Kungtse.

Fu Hi ist eine mythische Figur, der Repräsentant des Zeitalters der Jagd, des Fischfangs und der Erfindung des Kochens. Wenn er als Erfinder der Zeichen des Buchs der Wandlungen bezeichnet wird, so bedeutet das, daß man diesen Zeichen ein so hohes Alter beilegte, daß es über die historische Erinnerung hinausgeht. Die acht Urzeichen haben auch Namen, die sonst in der chinesischen Sprache nicht vorkommen, weshalb man auch schon auf fremden Ursprung dieser Zeichen geschlossen hat. Jedenfalls sind diese Zeichen keine alten Schriftzeichen, wie man aus der halb zufälligen, halb bewußten Übereinstimmung des einen oder anderen alten Schriftzeichens hat schließen wollen.

Sehr früh sind diese acht Zeichen schon in Kombinationen miteinander vorgekommen. Es werden aus alten Zeiten zwei Sammlungen erwähnt: das Buch der Wandlungen der Hiadynastie mit dem Namen Lien Schan, das mit dem Zeichen Gen, das Stillehalten, der Berg, angefangen haben soll, und das Buch der Wandlungen der Schangdynastie mit dem Namen Gui Tsang, das mit dem Zeichen Kun, das Empfangende, angefangen hat. Der letztere Umstand wird von Kungtse selbst gelegentlich als historisch erwähnt. Ob die Namen der 64 Zeichen damals schon vorhanden waren und, wenn vorhanden, dieselben waren wie im jetzigen Buch der Wandlungen, ist schwer zu sagen.

Die jetzige Sammlung der 64 Zeichen stammt nach allgemeiner Tradition, an der zu zweifeln kein Grund vorliegt, vom König Wen, dem Ahn der Dschoudynastie, der sie mit kurzen Urteilen versah, als er von dem Tyrannen Dschou Sin im Gefängnis gehalten wurde. Der Text zu den einzelnen Strichen stammt von seinem Sohn, dem Herzog von Dschou. Dieses Buch war unter dem Namen: Die Wandlungen von Dschou (Dschou I) während der ganzen Dschouzeit als Orakelbuch im Gebrauch, was sich aus den historischen Aufzeichnungen der alten Zeit mehrfach belegen läßt.

So war der Zustand des Buchs, als Kungtse es entdeckte. Er beschäftigte sich in seinem hohen Alter intensiv mit ihm, und es ist höchst wahrscheinlich, daß der Kommentar zur Entscheidung (Tuan Dschuan) von ihm stammt. Auch der Kommentar zu den Bildern geht — wenn auch weniger unmittelbar — auf ihn zurück. Dagegen ist ein dritter, sehr wertvoller und ausführlicher Kommentar zu den einzelnen Linien, der in Form von Frage und Antwort abgefaßt war von Schülern oder Enkelschülern, heute nur noch in Trümmern vorhanden (z. T.im Abschnitt Wen Yen, z. T. im Hi Tsï Dschuan).

In Kungtses Schule wurde das Buch der Wandlungen, wie es scheint, hauptsächlich durch Bu Schang (Dsï Hia) weiter verbreitet. Hand in Hand mit der Ausbildung der philosophischen Spekulation, wie sie in der Höheren Bildung und in Maß und Mitte hervortritt, machte sich diese Art der Philosophie auch immer mehr bei der Betrachtung des Buchs der Wandlungen geltend. Es bildete sich eine Literatur um das Buch, deren Trümmer — alte und spätere — in den sogenannten zehn Flügeln sich finden, die an innerem Wert und Gehalt sehr verschieden sind.

Bei der berühmten Bücherverbrennung unter Tsin Schï Huang entging das Buch dem Schicksal der andern Klassiker. Aber wenn etwas die Legende, daß die alten Bücher durch die Verbrennung in ihrem Textbestand gelitten hätten, widerlegen kann, so ist es eigentlich der Zustand des I Ging, der dann doch eigentlich intakt sein müßte. In Wirklichkeit sind die Not der Jahrhunderte, der Zusammenbruch der alten Kultur, die Veränderung des Schriftsystems Schuld daran, daß alle alten Werke Not gelitten haben.

Nachdem das Buch der Wandlungen aber seinen Ruhm als Wahrsage- und Zauberbuch unter Tsin Schï Huang bestätigt hatte, machte sich während der Tsin- und Handynastie die ganze Schule der Zauberer (Fang Schï) darüber her, und die wahrscheinlich durch Dsou Yenaufgekommene, später von Dung Dschuag Schu und Liu Hin und Liu Hiang gepflegte Yin-Yang-Lehre feierte ihre Orgien bei der Erklärung des Buchs der Wandlungen.

Dem großen und weisen Gelehrten Wang Bi war es vorbehalten, mit diesem Wust aufzuräumen. Er schrieb über den Sinn des Buchs der Wandlungen als Weisheitsbuch und nicht als Orakelbuch. Bald fand er Nachahmung, und anstatt der Zauberlehren der Yin-Yang-Lehrer schloß sich nun immer mehr die aufkommende Staatsphilosophie an das Buch an. In der Sungzeit wurde das Buch als Unterlage für die — wahrscheinlich nicht chinesische — Tai-Gi-Tu-Spekulation benützt, bis der ältere Tschong Dsï einen sehr guten Kommentar zu dem Buch schrieb, dessen in den Flügeln enthaltene alte Kommentare man unter die einzelnen Zeichen aufzuteilen sich gewöhnt hatte. So war das Buch allmählich ganz zum Lehrbuch der Staats- und Lebensweisheit geworden. Da suchte ihm Dschu Hi doch auch wieder seinen Charakter als Orakelbuch zu wahren und veröffentlichte außer einem kurzen und präzisen Kommentar auch eine Einführung in seine Studien über das Wahrsagen.

(Originaltext aus „I Ging – Das Buch der Wandlungen“, Richard Wilhelm)